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19.03.12 | Kategorie: Herz

Leben mit einem fremden Herzen

Viele Menschen warten vergebens auf ein lebensnotwendiges Organ - es gibt zu wenige Spender. Carola Mühlberg aus Barchfeld hatte Glück, sie bekam vor sieben Jahren ein Spenderherz.


© Sebastian Kaulitzki - Fotolia.com


Es war eine normale Erkältung. Nichts Schlimmes, es zog sich nur lange hin. Über zehn Wochen hatte Carola Mühlberg, damals 39 Jahre alt, mit der Grippe zu tun. Sie ging nach einigen Tagen auch wieder in ihre Umschulung zur Heilerziehungspflegerin, die sie gerade absolvierte. Doch irgendwann kamen Symptome hinzu, die nicht zu einer gewöhnlichen Grippe passten: Atemnot beim Laufen, Übelkeit, Schwindel, Druck auf den Magen. Sie lief von einem Arzt zum anderen, kam schließlich ins Klinikum nach Suhl. Erst nach Wochen erkannte man, dass eine Herzmuskelentzündung vorlag, das Herzecho ergab eine Leistung von nur noch 45 Prozent. Das traf die junge Frau schwer: "Ich war nie krank, ja mal ein Schnupfen, aber das war's auch." Dass nun eine simple Erkältung ihr Herz so angegriffen hat, musste sie erst einmal verdauen.

Es kam noch schlimmer. Nach einer Kur in Bad Liebenstein wurde sie als arbeitsfähig entlassen, trotz ihrer um mehr als die Hälfte verminderten Herzleistung. Das war 2002. Etwa zwei Jahre war ihr Zustand relativ stabil, dann ging es ihr immer schlechter. Eine neuerliche Untersuchung ergab nur noch 25 Prozent Herzleistung. Nun war klar: Ohne ein Spenderherz wird sie nicht mehr lange leben können. Die erste Vorstellung und viele Untersuchungen im Transplantationszentrum Jena folgten. Als ihre Herzleistung auf dramatische 16 Prozent sank, wurde ihr ein Defibrillator unter die Haut operiert. Die Elektroden haben direkten Kontakt zum Herzmuskel und lösen im Notfall aus. "Vier Mal rettete mir das Teil mein Leben", erzählt Carola Mühlberg. Das erste Mal passierte es zu Hause, die anderen Male, als sie schon in der Klinik in Jena lag und auf ein Spenderherz wartete.

Doch was war das für ein Leben, wo schon allein das Zähneputzen eine unsägliche Anstrengung bedeutete. Laufen, sich bewegen, war nicht mehr möglich, ihre Nieren versagten den Dienst. Wochenlang hat sie kaum geschlafen, aus Angst, nicht mehr aufzuwachen. Ihren Lebensmut hatte sie fast verloren. "Mir ging es so schlecht, ich wollte einfach nicht mehr." Ihre Familie, ihr Mann, ihr Sohn und die Schwiegertochter, fingen sie auf, waren für sie da, schenkten ihr ein Fünkchen Mut.


Der erlösende Satz

Dann kam der erlösende Satz: "Frau Mühlberg, wir haben ein Herz für Sie." Das war, als ob eine zentnerschwere Last von ihr abfiel, "jetzt kannst du weiterleben", dachte sie. Der befreiende Satz bewirkte auch, dass die Schwerkranke die nächsten Stunden bis zur rettenden Operation in einen Tiefschlaf fiel, den sie seit Wochen nicht mehr kannte. Ihre erste Erinnerung beim Aufwachen nach der OP: Du lebst noch, du hast es geschafft! Dann ging alles sehr schnell, erzählt Carola Mühlberg. "Schon am 3. oder 4. Tag nach der OP bin ich die ersten Schritte gelaufen. Ich wollte es einfach wissen, ob das noch geht". 14 Tage, nachdem sie das neue Herz in ihrer Brust hatte, war sie wieder zu Hause, musste allerdings jeden zweiten Tag zur Biopsie nach Jena. Dort fühlt sie sich auch heute, sieben Jahre nach der Transplantation, stets in guten Händen. "Die Behandlung in Jena war wirklich sehr gut, sowohl vor als auch nach der Transplantation", sagt sie. Regelmäßige Untersuchungen sind weiter nötig, allerdings nicht mehr in diesen kurzen Abständen. Die Gefahr, dass das fremde Gewebe vom eigenen Körper abgestoßen wird, bleibt. Damit das nicht passiert, muss Carola Mühlberg jede Menge Medikamente nehmen, täglich bis zu 16 Tabletten.

Auf den ersten Blick sieht man ihr nicht an, was sie hinter sich hat. Doch jede körperliche Anstrengung hat ihren Preis. Zu Hause mache sie zwar ihren Haushalt, aber immer unterbrochen von längeren Pausen. "Was ich schaffe, mache ich, alles andere bleibt eben liegen", sagt die gelernte Gärtnerin. Mit Wehmut denkt sie manchmal an ihre begonnene Umschulung als Heilerziehungspfleger, das wäre ihr Wunschberuf geworden. Doch ans Arbeiten ist nicht zu denken, sie ist viel zu schwach, hat zudem mit einigen Nebenwirkungen der Tabletten zu kämpfen, muss regelmäßig zu Ärzten.

Von 2004 bis 2008 bekam sie Rente, die dann gestrichen wurde. Sie sei nun nach der Transplantation wieder sechs Stunden täglich arbeitsfähig, wurde ihr von einer Gutachterin in Erfurt bescheinigt. Für sie ist es mehr als unverständlich, dass ihr die Rente so rigoros gestrichen wurde. Seitdem bekommt sie ergänzend Hartz IV, weil ihr Mann nur ein geringes Gehalt hat. Der Kampf um die Rente macht ihr zu schaffen.


Rente gestrichen

Gerne erinnert sich die 45-Jährige an ihren Italienurlaub, ein Jahr nachdem sie das neue Herz bekommen hatte. "Das tat mir so gut, die Sonne, die Luft am Meer, das warme Klima", schwärmt sie noch heute. Es wäre schön, wenn sie wieder einmal eine solche Urlaubswoche verbringen könnte, doch das kann sich das Ehepaar nicht leisten. Die notwendigen Fahrten zur Untersuchung nach Jena muss sie selbst bezahlen. Zeitweise hatte sie ihr Auto abgemeldet, um die Versicherung zu sparen. Wöchentlich geht sie zur Salzunger Tafel, um dort Lebensmittel abzuholen.

Diese äußeren Bedingungen sind nur die eine Seite. Immer wieder hat sie starke Stimmungsschwankungen zu verkraften, bei jeder noch so kleinen Erkältung ist der Gang zum Arzt unvermeidlich, bei Fieber muss sie sogar ins Krankenhaus. Manchmal bricht sie scheinbar ohne Grund in Tränen aus. "Die depressiven Stimmungen kommen und gehen, ich kann es nicht beeinflussen", erzählt sie. Die intensive psychologische Betreuung vor und nach der Herztransplantation hat ihr über viele Probleme und Zweifel hinweg geholfen. Auch jetzt geht sie regelmäßig zu einem Psychologen und hat neben ihrer Familie eine sehr gute Freundin, mit der sie über alles reden kann.

Das gespendete Herz hat Carola Mühlberg angenommen. "Es fühlt sich nicht fremd an." Nie erfahren Empfänger von Organen, wer der Spender war. Gerne hätte sie zumindest gewusst, war es ein Mann oder eine Frau. "Ein fremdes Organ in sich zu haben, heißt nicht, dass man ein anderer Mensch wird", sagt sie. Doch verändert habe sie sich schon ein wenig: "Früher habe ich zu allem Ja und Amen gesagt, das mache ich heute nicht mehr. Ich hab schon gelernt, mehr für mich zu kämpfen, bin selbstbewusster geworden."

Das Leben hat sich für Carola Mühlberg im Vergleich zu früher schon stark verändert. Menschenansammlungen sollte sie meiden, Schwimmbad ist tabu, um Erkrankungen durch Keime zu vermeiden. Früher war sie eine Frau, die kräftig anpackte, am liebsten alles selber machte - das schafft sie heute nicht mehr. Dazu die vielen Tabletten täglich, die Angst, dass irgendwann der Körper das fremde Herz abstoßen könnte, die Gewissheit, dass dieses Herz nicht ewig in ihrem Körper schlagen kann. "Doch ich lebe jetzt, denke nicht mehr so lange voraus." Sie mache schon ziemliche Abstriche von ihrer gewohnten Lebensqualität, "aber schließlich bin ich glücklich, überhaupt noch am Leben zu sein!"

 



 























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