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07.10.16 | Kategorie: Organspende

Aktuelle Lage der Transplantationsmedizin

Auf der 25. Jahrestagung der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG) richtet der neue Präsident der DTG, Prof. Bernhard Banas, einen dringenden Appell an Politik und Gesellschaft: „Zwar wurde schon sehr viel gemacht, aber wir haben nach wie vor dringenden Diskussions- und Handlungsbedarf. Im internationalen Vergleich sind unsere Patienten auf den Wartelisten zur Organtransplantation im Nachteil.“


© fovito - Fotolia.com


Die deutsche Transplantationsmedizin hat aktuell mit den Auswirkungen der schwersten Krise seit ihrem Bestehen zu kämpfen. Es liegt ein gravierendes Missverhältnis von verfügbaren Transplantatorganen und potenziellen Empfängern vor. Laut Jahresbericht 2015 der DSO [1] wurden insgesamt 3.777 Organe bundesweit übertragen. Darunter waren 691 Organe von Lebendspendern. Die Zahl der Menschen, die auf ein Spenderorgan warten, liegt deutlich höher: 10.238 Patienten waren 2015 auf der Warteliste und hofften auf eine Transplantation – viele von ihnen vergeblich. Im vergangenen Jahr verstarben allein 910 Patienten auf der Warteliste. Hinzu kommt ein ähnlich hoher Anteil an Patienten, die jedes Jahr von der Warteliste genommen werden müssen, weil ihr Allgemeinzustand nach langer Wartezeit nicht mehr gut genug ist, um eine Transplantation erfolgreich zu überstehen. „In 2015 kam auf zwei erfolgreiche Transplantationen eine Abmeldung von der Warteliste, weil nicht rechtzeitig geholfen werden konnte“. erklärt Prof. Dr. Bernhard Banas, Präsident der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG).

Was sind die Gründe für das „Organspende-Tief“? Jedenfalls nicht ein mangelndes Vertrauen in der Bevölkerung. Umfragen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) belegen, dass der Wille nach dem Tod Organe zu spenden in Deutschland vergleichbar hoch ist wie in vielen anderen Ländern, rund 80% aller Befragten sind prinzipiell zur Organspende bereit. [2]

Daran änderte auch der sogenannte Allokations-Skandal nichts, durch den ab 2012 Manipulationen bei der Aufnahme von Patienten auf die Wartelisten zur Organtransplantation bekannt wurden. „Mit diesen Verstößen wurde der Transplantationsmedizin ein immens hoher Schaden zugefügt“, erklärt Prof. Björn Nashan, Past-Präsident der DTG.
Doch wie er ausführte, wurden zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um eine Wiederholung von Fehlern zu vermeiden.

  • Seit dem 01.08.2013 wurde ein gesetzlich verankertes „6-Augen-Prinzip“ eingeführt, um die Transparenz bei der Übermittlung der für die Warteliste entscheidenden Laborwerte sicherzustellen. Drei Ärzte prüfen unabhängig voneinander die Befunde.
  • Durch die Prüfungskommission und Überwachungskommission bei der Bundesärztekammer wurde eine vollständige Prüfung aller Transplantationsprogramme in Deutschland durchgeführt. Diese Prüfung ist mittlerweile fast vollständig abgeschlossen, alle bisherigen Ergebnisse sind der Öffentlichkeit vorgestellt worden und im Internet verfügbar. Zukünftig werden alle Transplantationszentren regelmäßig überprüft.
  • Eine unabhängige Vertrauensstelle „Transplantationsmedizin“ wurde eingerichtet, die auf vertraulicher Basis Hinweise zu Auffälligkeiten und Verstößen gegen das Transplantationsgesetz entgegennimmt und Untersuchungen durchführt.
  • Die ständige Kommission Organtransplantation (StäKO) führt eine transparente und öffentlich diskutierte Überarbeitung aller Transplantations-Richtlinien durch.
  • In jedem Krankenhaus wird zukünftig ein sog. Transplantationsbeauftragter arbeiten, der sich vor Ort um das Thema Organspende kümmert.
  • Mit dem Gesetz zur Errichtung eines Transplantationsregisters, das im Sommer verabschiedet wurde, ist nun auch das Transplantationsregister in greifbare Nähe gerückt. Das Register wird eine Auswertung der Transplantationsqualität ermöglichen, außerdem wird es eine Datenbasis schaffen, um bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen Richtlinien schneller anpassen zu können.

Es wurde also alles daran gesetzt, um die Transparenz zu erhöhen und möglichen Verstößen gegen das Transplantationsgesetz entgegenzuwirken. „Doch leider wurde über diese Maßnahmen kaum in der Presse berichtet, so dass nur wenige davon wissen und das allgemeine Misstrauen geblieben ist“, bedauert Nashan.

Doch als wesentliche Ursachen für den Organmangel schätzt die DTG strukturelle Defizite und systemische Fehlanreize ein. „Gerade für kleine Krankenhäuser ist eine Organentnahme oft ein Problem, weil andere Operationen verschoben werden müssen oder ausfallen. Viele Kliniken können sich den Eingriff angesichts enger Budgets und des hohen Kostendrucks im Gesundheitswesen schlichtweg nicht leisten. Es ist wenig verständlich, wenn Gesellschaft und Politik um mehr Organspende bitten, aber die Krankenhäuser hier nicht ausreichend unterstützen“, erklärt Prof. Banas. Letztlich gibt es aber bislang keine fundierte Untersuchung, die der Frage nachgeht, warum es in Deutschland trotz hoher Bereitschaft der Bevölkerung so wenig realisierte Organspenden gibt. Denn wenn es ein gesellschaftlicher Konsens wäre, die Organspende zu stärken, sollten alle strukturellen Mängel behoben werden. Selbst die Einführung einer Widerspruchslösung, die der Gesundheitsexperte Prof. Karl Lauterbach kürzlich im Deutschen Ärzteblatt gefordert hat [3], würde nur wenig bringen, wenn keine Verbesserung der „Infrastruktur“ stattfindet.

[1] http://www.dso.de/uploads/tx_dsodl/DSO_JB_2015_Web_2.pdf
[2] http://www.bmg.bund.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-2016-2-quartal/bzga-befragung-organspende.html
[3] http://m.aerzteblatt.de/news/70512.html

 



 




















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