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14.09.16 | Kategorie: Niere

Transplantationsregister ist beschlossen – aber wo bleibt das Dialyseregister?

Am 07.07. 2016 wurde das Gesetz zur Errichtung eines Transplantationsregisters verabschiedet. Damit wurde der Grundstein für eine verlässliche und einheitliche Datenbasis gelegt, die zum einen die Transparenz erhöht, aber gerade auch für die Wissenschaft und Versorgungsforschung von unschätzbarem Wert ist. Was aber nach wie vor fehlt, ist eine entsprechende Datenbasis zur Dialysebehandlung. „Es ist an der Zeit, dass diese peinliche Dokumentationslücke geschlossen wird. Deutschland ist, was Daten zur Dialyse angeht, ein Entwicklungsland!“


ERA-EDTA Registry: The following national and regional registries contributed data as of August 2016


Vor zehn Jahren wurde das Dialyseregister „Quasi Niere“ eingestellt, da die Krankenkassen die Förderung des Projekts auslaufen ließen. Der letzte „Quasi Niere“-Bericht deckt den Zeitraum 2006/2007 ab – und damit endet die für die Nephrologie im Hinblick auf Wissenschaft und Versorgungsforschung wichtige Datendokumentation. Seit dieser Zeit ist Deutschland eines der wenigen Europäischen Länder ohne Dialyseregister, ein weißer Fleck auf der Landkarte [1].

Etwa zur gleichen Zeit wurden Qualitätssicherungsrichtlinien beschlossen und ausgearbeitet, die seit dem 01.04.2007 in Kraft getreten sind [2]. Die Daten werden seitdem zur Qualitätskontrolle von allen Dialyseeinrichtungen an die Bundes-KV gemeldet. Dort wird anhand bestimmter Parameter (Clearance-Rate gemessen am Kt/V, Serumalbumin, Hb, CrP, Parameter des Knochenstoffwechsels, Hygieneparameter etc.) die Ergebnisqualität erhoben. Diese Parameter sind nach Ablauf einer 18-monatigen Einführungszeit sanktionsbewehrt, d.h. Dialyseeinrichtungen, die „schlecht“ dialysieren, drohen Verluste. Diese Kopplung der Ergebnisqualität an die Abrechnung ist einmalig in der Medizin, doch sie wurde und wird von den Nephrologen, die für den Dokumentationsaufwand übrigens nicht vergütet werden, aktiv mitgetragen. Gründe dafür sind, dass Nephrologen für eine hohe Behandlungsqualität und Transparenz einstehen und bereit sind, sich dafür der Kontrolle ihrer Arbeit zu unterziehen. Eine weitere Motivation für die hohe Kooperationsbereitschaft der Nephrologen war allerdings auch, dass es seinerzeit hieß, die erhobenen Daten würden der Nephrologie zur wissenschaftlichen Auswertung zur Verfügung gestellt werden. Leider hat sich das nach Jahren des „Vertröstens“ bisher als Trugschluss erwiesen.

„Deutschland ist, was Daten zur Dialyse angeht, ein Entwicklungsland“, erklärt Prof. Jürgen Floege, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN). „Wir wissen weder, wie viele Patienten chronisch dialysiert werden, noch, wie sich die Patienten auf die verschiedenen Dialyseverfahren verteilen“. Das könne nur anhand alter oder ausländischer Daten sowie aus nur unvollständig zur Verfügung stehenden Daten der Kassen abgeschätzt werden. „Wir wissen derzeit nicht, ob und wie sich die Inzidenz der Dialysepflichtigkeit verändert noch wie hoch derzeit die Sterblichkeit an der Dialyse ist.“ Diese wesentlichen Fragen beantworten auch nicht die „Zusammenfassenden Jahresberichte der Berichtersteller der Qualitätssicherungs-Richtlinie Dialyse“ [3]. Darin werden die Daten zu den erhobenen Parametern statistisch ausgewertet – die Leser erfahren beispielsweise, dass der durchschnittliche Albumin-Wert im Serum bei 37,59 g/l, der niedrigste Mittelwert je mit 36,69 g/l in Westfalen-Lippe, der höchste Mittelwert mit 39,17 g/l in Sachsen lag. Sicher sind solche Auswertungen wichtig, um die Ergebnisqualität auszuwerten, „Ausreißer“ zu erkennen und ggf. regionale Unterschiede auszugleichen – die grundlegenden Fragestellungen, die eine verantwortungsvolle Versorgungsplanung ermöglichen – und daher eigentlich auch Gesundheitspolitikern unter den Nägel brennen sollten –, beantworten diese Berichte jedoch nicht. Weiter werden in den Daten der Qualitätssicherung nur Patienten erfasst, welche über die gesetzlichen Krankenkassen ambulant vergütet werden. Privatpatienten und Patienten, welche eine sogenannte teilstationäre Dialyse erhalten, sind nicht erfasst. Damit bleiben die Daten unvollständig.


Deutsche Gesellschaft für Nephrologie fordert ein Dialyseregister

Daher fordert die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie dringlich ein Register zur Versorgungslage der Nierenersatztherapie in Deutschland (Dialyseregister). Das Register sollte primär Fragestellungen aus zwei Domänen beantworten:

  1. Häufigkeiten und Verteilung (Epidemiologie)
    Inzidenz und Prävalenz chronischer Dialysepatienten in Deutschland; Inzidenz und Prävalenz der renalen Grunderkrankungen über die Zeit; Verteilung der Dialyseverfahren in Abhängigkeit von Alter und Grunderkrankung / Komorbiditäten der Patienten. Seltene Erkrankungen mit Dialysepflicht, deren zeitlicher Verlauf und Einflussfaktoren
  2. Mortalität
    Wie ist die Mortalität chronischer Dialysepatienten in Deutschland über die Zeit?
    Was determiniert Mortalität chronischer Dialysepatienten in Deutschland?

Weitere Ziele sind, geschlechts- und altersabhängige Unterschiede in Bezug auf Häufigkeiten und Mortalität zu erfassen sowie die Ergebnisse im internationalen Vergleich (European Renal Association - European Dialysis Transplantation Association [1] und Nordamerika) zu bewerten. Ein besonderer Schwerpunkt sollte dabei auf die longitudinale Auswertung gelegt werden. Erfreulicherweise wurde auch bereits eine Schnittstelle zwischen Transplantationsregister und Dialyseregister im Gesetz zur Errichtung eines Transplantationsregisters verankert, das unmittelbar vor der Parlamentarischen Sommerpause verabschiedet wurde – doch was nützt eine Schnittstelle, wenn es kein Dialyseregister gibt?

„Es ist an der Zeit, dass diese peinliche Dokumentationslücke geschlossen wird. Es kann nicht sein, dass das „Prestige-Projekt“ Transplantationsregister aus politischen Gründen vorangetrieben wird, die Mehrzahl der Fälle, die einer Nierenersatztherapie bedürfen, aber nicht entsprechend dokumentiert und ausgewertet werden. 2013 wurden ca. 4.000 Patienten transplantiert – aber ca. 20x so viele dialysiert“, so Floege. „Wir dürfen Dialyse und Transplantation nicht isoliert betrachten, sondern müssen sie als Kontinuum begreifen.“

Referenzen
[1]   https://www.era-edta-reg.org/index.jsp?p=10
[2]   https://www.g-ba.de/informationen/richtlinien/45/
[3]   https://www.g-ba.de/downloads/17-98-4057/2016-01-21_QSD-RL_MNC-Jahresbericht- 2014_Bericht.pdf

 



 




















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Die (Un)sterblichkeit der Menschheit: dem Geheimnis auf der Spur






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Innate Alloimmunity: Part 1: Innate Immunity and Host Defense






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