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12.09.15 | Kategorie: Stammzellen

220.000 Zellen und eine OP geben Leonie Lebensfreude zurück

Ein interdisziplinäres Expertenteam des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus übertrug im August 2014 einem damals 10-jährigen Mädchen rund 220.000 körpereigene Inselzellen. Nun haben umfangreiche Tests bestätigt, dass das in Deutschland nur in Dresden etablierte Verfahren auch bei einem Kind erfolgreich angewandt werden kann. Die im Rahmen des zweiphasigen Eingriffs in die Leber implantierten Zellen helfen der Schülerin dabei, einen ausgeglichenen Zuckerstoffwechsel aufrecht zu erhalten.


Leonie überreichte Prof. Grützmann und PD Dr. Ludwig ein selbstgebasteltes Dankeschön. (Uniklinikum Dresden)


Aber nicht nur Laborwerte belegen den erfolgreichen Einsatz der Inselzell- und Diabetes-Spezialistin Privatdozentin (PD) Dr. Barbara Ludwig aus der Medizinischen Klinik III und des Pankreas-Experten Professor Robert Grützmann aus der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie. Nach Ende des 2006 begonnenen Leidenswegs mit insgesamt 28 Operationen und unzähligen äußerst schmerzhaften Entzündungen der Bauchspeicheldrüse – Pankreas – blüht das Mädchen merklich auf. Innerhalb eines Jahres wuchs sie zehn Zentimeter und nahm dabei über zehn Kilo zu.

„Die kindliche Lebensfreude war einfach weg“, beschreibt Leonies Mutter die Gefühlslage ihrer Tochter als Zehnjährige. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits 26 Operationen über sich ergehen lassen. Seit das Mädchen zwei Jahre alt war, litt es unter immer wieder auftretenden Entzündungen der Bauchspeicheldrüse. Um dem Geschehen Herr zu werden, operierten erst Chirurgen eines Dresdner Krankenhauses und dann Spezialisten eines norddeutschen Uniklinikums das Kind. Doch die operativen Behandlungen der Entzündungsherde hielten nie lange an. Einmal kam die nächste Entzündung bereits am Tag der Entlassung. Die dabei auftretenden Schmerzen waren sehr quälend und ließen sich nur mit starken Schmerzmitteln lindern. „Ich lag dann oft in meinem Bett und dachte ich sitze neben mir“, erinnert sich Leonie. Und auch in der Zeit ohne Entzündung drückte sie der so oft operierte Bauch.

Es waren die Berichte der Medien über die deutschlandweit erste Transplantation körpereigener Inselzellen bei einem Unfallopfer, die Leonies Mutter auf die besondere Expertise des Dresdner Uniklinikums aufmerksam machte. Prof. Grützmann hatte 2013 einem Gabelstaplerfahrer nach einem Arbeitsunfall die durchtrennte Bauchspeicheldrüse entfernt. Die darin befindlichen Inselzellen bereitete PD Dr. Ludwig dann so auf, dass diese nach der Transplantation in der Leber dort das lebenswichtige Insulin weiter produzieren. Während es bei Erwachsenen durchaus üblich ist, nach einer schweren Pankreatitis – die Entzündung der Bauchspeicheldrüse – das Organ zu entfernen und den Patienten damit zum Diabetiker zu machen, kam diese Option für Leonies Ärzte zunächst nicht in Frage. Als sich aber zeigte, dass alle anderen Möglichkeiten der Behandlung ausgeschöpft waren und eine Entfernung der Bauchspeicheldrüse wahrscheinlich nicht zu umgehen sei, haben sich die Dresdner Experten zusammengetan und überlegt, ob nach Entfernung der Bauchspeicheldrüse die Möglichkeit der Inselzell-Transplantation bei diesem Mädchen in Frage kommen könnte. Bestärkt sahen sie sich durch us-amerikanische Kollegen, die in wissenschaftlichen Aufsätzen über erfolgreiche Transplantationen dieser Art bei Kindern berichteten. „Ich hatte nie den Eindruck, dass sich die Dresdner Ärzte mit der Operation profilieren wollten“, sagt Leonies Mutter. Auch der Umstand, dass Prof. Grützmann eine Tochter im selben Alter hat und deshalb noch stärker mit dem Kind und seinen Eltern mitfühlen konnte, erleichterte die Entscheidung für die Transplantation.

Prof. Grützmann hatte im Vorfeld selbst noch einen letzten Versuch unternommen und einen Teil von Leonies Pankreas entfernt. Bei erwachsenen Patienten lassen sich so oft die Entzündungen eindämmen – bei der damals Neunjährigen leider nicht. Trotz der möglichen Konsequenzen war Leonie froh, dass die Bauchspeicheldrüse in der dann 27. OP entfernt wurde. Der daran anschließende 28. Eingriff war dann weniger gravierend, da ihr nur noch ihre aufbereiteten Inselzellen in die Leber injiziert wurden. Mit 27 Kilogramm Körpergewicht und einer Größe von 134 Zentimetern wurde Leonie Ende September 2014 aus dem Klinikum entlassen. Heute ist sie auf 144 Zentimeter gewachsen und wiegt 36 Kilogramm. Wichtiger ist für die heute Elfjährige aber etwas ganz anderes: „Ich habe keine Schmerzen mehr“, sagt sie. Und statt der 70 Fehltage im Schuljahr 2012/2013 waren es nach der Entlassung aus dem Uniklinikum nur noch drei – bei allen ging es dabei nur um wichtige Nachuntersuchungen. Die letzte fand Ende August statt. Leonie bekam eine Zuckerlösung gespritzt und musste sich danach im Minutentakt Blut abnehmen lassen. Dadurch konnten die Diabetologen feststellen, wie die transplantierten Inselzellen auf die Zuckergabe reagieren – wie erwartet bildeten sie vermehrt Insulin, um den Nährstoff für den Körper verwertbar zu machen. Zusätzlich zu diesem körpereigenen Insulin trägt Leonie eine Insulinpumpe, über die sie kontinuierlich eine sehr kleine Menge an Insulin bekommt, um die transplantierten Zellen zu unterstützen. Momentan benötigt sie glücklicherweise kein zusätzliches Insulin zum Essen, und sie kann ein Leben ohne größere Beschränkungen führen. „Es ist sehr erfreulich“, betont PD Dr. Ludwig, „dass die transplantierten Inseln gut funktionieren und einen Großteil der Blutzuckerregulation übernehmen. Dennoch ist es wichtig, dass Leonie wie Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 weiß, was ihren Blutzucker beeinflusst und die Therapie mit Insulin von außen über die Insulinpumpe beherrscht.“ Da die transplantierten Inselzellen aus ihrem eigenen Körper stammen, werden sie vom Körper auch nicht abgestoßen. Deshalb braucht sie die nach anderen Transplantationen so wichtigen Medikamente nicht, die das Immunsystem unterdrücken und dabei den Organismus stark belasten.

Mit dem Ausbleiben der Entzündungen gewann Leonie wieder Lebensfreude und Zuversicht. Auch dank der Unterstützung des jetzigen Gymnasiums und ihrer damaligen Grundschule gelang es ihr trotz der unzähligen Fehlstunden der Vorjahre so gute Leistungen zu bringen, dass sie die Bildungsempfehlung für das Gymnasium bekam. „Ich hoffe, dass es mir weiter so gut geht und ich das Gymnasium schaffe“, sagt Leonie, wenn sie nach ihren größten Wünschen gefragt wird. Neben der Schule nimmt sie nun Reitunterricht – aber nicht wie in den vergangenen Jahren als Therapie für ihre arg belastete Seele, sondern als ein Freizeitvergnügen, das so viele Mädchen in den Bann zieht. Bevor Leonie jedoch die Allgegenwärtigkeit der Krankenhausärzte endgültig hinter sich lässt, möchte sie ebenso wie ihre Mutter die Gelegenheit nutzen und sich in aller Öffentlichkeit bei Barbara Ludwig und Robert Grützmann bedanken. „Sie gaben uns das Vertrauen, die Unterstützung und den Mut diesen Schritt zu wagen, sie haben Leonie damit die Hoffnung aufs Leben zurückgegeben und ihr ein Lachen ins Gesicht gezaubert“, sagt Leonies Mutter.


Diabetes und die Operationen der Bauchspeicheldrüse gehören zu den Leuchttürmen bei Krankenversorgung und Forschung

„Die erfolgreiche Reimplantation der Inselzellen auch bei einem Kind belegt einmal mehr den Erfolg der intensiven Arbeit, die Klinikum und Fakultät in den vergangenen Jahren auch im Bereich der Diabetologie geleistet haben“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums. So kamen international renommierte Wissenschaftler nach Dresden, um Grundlagenforschung wie auch Krankenversorgung auf diesem Gebiet voranzutreiben. Den Anfang machte der von der us-amerikanischen Elite-Universität Yale nach Dresden gekommene Prof. Michele Solimena, der hier den Forschungsbereich „Experimentelle Diabetologie“ etablierte und darauf aufbauend das Paul-Langerhans-Institut-Dresden des Helmholtz-Zentrums München gründete, das er heute leitet. In diesem Institut arbeitet auch PD Dr. Barbara Ludwig mit. Das Know-how für das Herauslösen der Inselzellen aus der Pankreas und deren Aufbereitung für eine Transplantation hatte sie sich in einem mehrjährigen USA-Aufenthalt angeeignet bevor sie in die von Prof. Stefan Bornstein geleitete Medizinische Klinik III nach Dresden wechselte und das hiesige Inseltransplantationszentrum etablierte. Unter anderem mussten die technischen Vorrausetzungen für die Aufbereitung der Spenderzellen geschaffen und ein kompletter Zertifizierungsprozess erfolgreich absolviert werden. Die dabei geschaffene Technologie und das erarbeitete Wissen um die Inselzellen kommen gleichermaßen der Krankenversorgung wie der Forschung zugute.

Auf langjährige Erfahrungen in der operativen Therapie von Bauchspeicheldrüsen und damit verknüpfte Forschungsaktivitäten kann auch die Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie verweisen. Allein 2014 wurden weit über 120 Patienten an der Bauchspeicheldrüse operiert. Neben der vollständigen Entfernung des Organs ist es dank moderner OP-Methoden auch möglich, erkrankte Abschnitte der Drüse zu entfernen, um deren Gesamtfunktion als Lieferant von Verdauungssekreten und Insulin aufrecht zu erhalten. Damit gehört die Klinik bundesweit zu den größten Pankreaszentren. Die damit verbundene Erfahrung nutzen die Ärzte und Wissenschaftler, um in zahlreichen Forschungsprojekten die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse weiter zu verbessern. „Dass Prof. Grützmann ab 1. Oktober auf den Lehrstuhl der Chirurgie am Universitätsklinikum Erlangen berufen wurde, ist für uns Ehre und Verlust zugleich“, sagt Prof. Albrecht. Der erfahrene Viszeralchirurg ist auf allgemeinchirurgischen Gebiet der erste Ordinarius für Allgemeinchirurgie in Deutschland, der von einer Universität der neuen Bundesländer kommt.

 



 





















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Die (Un)sterblichkeit der Menschheit: dem Geheimnis auf der Spur






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