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06.09.12 | Kategorie: Leber, Darm

Erste kombinierte Leber- und Darmtransplantation bei einem Säugling

Am Universitätsklinikum Tübingen transplantierte ein Expertenteam der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und der Klinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie erstmals im deutschsprachigen Raum einem Säugling gleichzeitig Leber und Darm.


© Michael Kempf - Fotolia.com


Diagnose: Kurzdarmsyndrom und Leberfunktionsstörung

Bereits kurze Zeit nach seiner Geburt im Sommer 2011 verlor Lukas* durch eine Durchblutungsstörung einen Großteil seines Darms. Nur noch knapp 15 cm des ursprünglich drei Meter langen Dünndarms blieben nach der erforderlichen Operation erhalten. An eine normale Nahrungsaufnahme war danach nicht mehr zu denken – Lukas musste künstlich ernährt werden (parenterale Ernährung über Infusionen). Diese Ernährung wird von vielen Patienten gut vertragen, bei Lukas jedoch führte sie nach einigen Monaten zu einer schweren Leberfunktionsstörung. Bei einer Gewebeentnahme (Biopsie) stellten seine behandelnden Ärzte, Oberarzt Dr. Andreas Busch und Oberarzt Dr. Ekkehard Sturm (pädiatrische Gastroenterologen) fest, dass der Leberumbau (Leberfibrose) bereits sehr weit fortgeschritten war: „Bei dieser Kombination aus Kurzdarmsyndrom (verkürzter Darm) und Leberfunktionsstörung war klar, dass es eigentlich nur noch bergab geht und einzig eine kombinierte Leber- und Darmtransplantation Lukas helfen kann“, berichtet Dr. Sturm rückblickend.


Eine extreme chirurgische Herausforderung

Lukas kam auf die Warteliste und hatte Glück: bereits nach erstaunlich kurzer Zeit bekam er geeignete Spenderorgane. Am 26. Juni 2012 wurden ihm die Spenderorgane in einer 8-stündigen Operation transplantiert: „Diese Operation erfordert eine komplexe operative Technik, die erst selten angewandt wurde, im deutschsprachigen Raum bisher noch nie bei einem Kind. Der Anschluss der beiden Organe an das Verdauungs- und das Kreislaufsystem war eine extreme chirurgische Herausforderung“, erläutert Prof. Dr. Alfred Königsrainer, Ärztlicher Direktor der Tübinger Universitätsklinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie. Der erfahrene Transplantationschirurg und sein leitender Oberarzt, Priv. Doz. Dr. Silvio Nadalin haben 2009 erstmals in Deutschland einem Kind den Dünndarm transplantiert. Bis heute ist das Universitätsklinikum Tübingen die einzige Klinik Deutschlands, die diese lebensrettende Transplantation anbietet: „Mit dieser neuen innovativen kombinierten Transplantation von Darm und Leber gehen wir noch einen Schritt weiter. Für die deutschsprachigen Patienten, die früher zu diesem Eingriff ins Ausland reisen mussten, ist das eine enorme Verbesserung“, stellt Dr. Nadalin fest. Dieser Erfolg ist nur möglich durch eine enge Zusammenarbeit der beteiligten Spezialisten, den Transplantationschirurgen und Kinderärzten, die auf Leber- und Darmerkrankungen spezialisiert sind sowie weiteren erfahrenen Mitarbeitern der Kliniken, z. B. im Bereich der Pflege und der Ernährungsberatung.


Finanzierung durch Krankenkassen noch ungeklärt

Dieser operative Eingriff ist so neu, dass es dafür im Vergütungssystem der Krankenkassen noch keine Gebührenziffer gibt. Prof. Dr. Rupert Handgretinger, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Kinder und Jugendmedizin, sieht hier dringenden Handlungsbedarf: „Lukas war so lebensgefährlich erkrankt, dass nur noch diese kombinierte Transplantation von Leber und Darm als letzte Hoffnung in Frage kam. Um sein Leben zu retten, sind wir in Vorleistung gegangen. Dies können wir natürlich nur in Einzelfällen tun. Jetzt sind die Krankenkassen am Zug. Wir hoffen, dass bei den nächsten Verhandlungen im Oktober diese neue innovative Leistung möglichst rasch in den Gebührenkatalog übernommen wird, damit wir auch anderen Patienten helfen können.“


Nach der Transplantation: Ein ganz normales Leben führen

Lukas hat bereits die kritische Phase überwunden: „Nach der Transplantation zeigte sich eine ungewöhnliche Abstoßungsreaktion – die Spenderzellen richteten sich gegen den Empfängerorganismus – eine sogenannte GvH-Reaktion (Graft-versus-Host-Reaktion, deutsch: Transplantat-gegen-Empfänger-Reaktion) Lukas bekam einen typischen Ausschlag, den wir erfolgreich mit Cortison behandeln konnten. Jetzt hat sich seine Lage stabilisiert und er kann bald mit seinen Eltern nachhause gehen“, erzählen die behandelnden Kinderärzte Dr. Sturm und Dr. Busch.

Noch führt auf Lukas' Bauch ein Schlauch in seinen Magen und in den Darm, aber nach und nach darf er normale Nahrung zu sich nehmen. Vor wenigen Tagen durfte er das erste Mal in seinem Leben essen - einen von der Diätassistentin zubereiteten Kürbisbrei. Zwar wird Lukas sein Leben lang Medikamente nehmen müssen, die die Abwehrreaktionen seines Immunsystems unterdrücken (Immunsuppressiva), doch das Ziel der Tübinger Ärzte ist ein ganz normales Leben für Lukas: „Er soll eine vergleichbare Lebensqualität wie andere Kinder haben, normal essen und in den Kindergarten und in die Schule gehen können“, sagt Dr. Sturm. So wie Lenie, das erste Kind in Deutschland, das 2009 als Dreijährige von den Tübinger Experten transplantiert wurde und das in diesem Herbst eingeschult wird.

*Name geändert

 



 





















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Die (Un)sterblichkeit der Menschheit: dem Geheimnis auf der Spur






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Absender? Unbekannt! Ratgeber und Geschichten von Kindern mit einem Spenderherz






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