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17.04.11 | Kategorie: Niere, Pankreas

Start in ein zweites Leben

Eigentlich mag Caroline Kiefer nicht, dass über sie geredet wird. Nur wenige Menschen wissen, welches medizinische Schicksal die 33-jährige Frau aus Überlingen hinter sich hat.


© PA - Fotolia.com


In ihr arbeiten seit zwei Jahren die Bauchspeicheldrüse und eine Niere eines Menschen, für den es keine Rettung mehr gab. Hinter der hübschen, schmalen jungen Frau liegen Jahre und Jahrzehnte quälender Krankheit. Als Mädchen erkrankte sie an der Autoimmunkrankheit Jugenddiabetes, bei der der Körper Zellen der eigenen Bauchspeicheldrüse zerstört. Nach und nach ließ auch die Nierenfunktion nach – eine häufige Spätfolge des Jugenddiabetes. Vor vier Jahren wurde sie dialysepflichtig.

„Bei der klassischen Blutwäsche musste ich dreimal die Woche für vier Stunden nach Friedrichshafen fahren“, erzählt sie. „Zwischen den Dialyseterminen darf man auch kaum etwas trinken, denn der Körper scheidet das Wasser nicht selbst aus.“ Nach einem halben Jahr wechselte sie zur Bauchfelldialyse, bei der die Reinigungsflüssigkeit in den Bauch gepumpt wird und die sie selbst zuhause machen konnte. Das Essen wurde schwieriger, weil sie kaum noch etwas vertrug.

Andere Gesundheitsprobleme kamen dazu, ihr Zustand verschlechterte sich – das Warten auf eine Organtransplantation begann. Caroline Kiefer hatte Glück. Weil sie Niere und Bauchspeicheldrüse benötigte, kam sie schneller an die Reihe als Menschen, die „nur“ eine Niere brauchen. Vor zwei Jahren wurde sie operiert – und damit begann ein neues Leben für sie.

Operiert wurde sie damals von Przemyslaw Pisarski, dem Leiter der Transplantationschirurgie am Universitätsklinikum Freiburg. Es war eine Bilderbuchoperation: Alles verlief gut, Caroline Kiefers Körper akzeptierte die neuen Organe. Bis an ihr Lebensende muss sie allerdings Medikamente nehmen, damit ihr Körper die neuen Organe nicht abstößt. Diese Immunsuppressiva können Herz, Leber oder Nieren schädigen. Und sie dämpfen die Immunabwehr des Körpers auch da, wo man sie braucht. Vor jedem kleinen Schnupfen muss sich die junge Frau in Acht nehmen. Aber das erscheint ihr ein kleiner Preis zu sein. Stark wirkt sie trotz ihrer Zerbrechlichkeit. „Natürlich denke ich manchmal darüber nach, dass ich in mir die Organe eines toten Menschen habe. Aber die Dankbarkeit und die Freude überwiegt“, sagt sie. „Meine neue Niere ist schon meine.“

Ihr Arzt Przemyslaw Pisarski freut sich mit ihr über die geglückte Operation. „Sie hat das toll gemacht“, lobt er seine junge Patientin. Die Erfolgsaussichten sind bei Organtransplantationen sehr unterschiedlich. Viel hängt davon ab, ob der Patient diszipliniert mitmacht und seine Medikamente nimmt. „Bei Kindern in der Pubertät ist das nicht immer ganz einfach.“ Da müssten Eltern mühsame Kämpfe ausfechten.

Ein ganzes Leben lang hält ein transplantiertes Organ meist nicht. „Je nachdem zwischen fünf und 25 Jahren. Aber es sind auch Folgeoperationen möglich“, sagt der Arzt, der bislang etwa tausend Organe verpflanzt hat – meist Nieren und Bauchspeicheldrüsen. Etwa fünf Stunden dauert es, eine Niere und die Bauchspeicheldrüse zu transplantieren. Eine Niere ist in anderthalb bis zwei Stunden verpflanzt. Die meisten Menschen sind bei einer Transplantation zwischen 40 und 60 Jahre alt. Pisarskis Arbeit ist anspruchsvoll – sowohl vom medizinischen Aspekt als auch vom psychologischen her. Freude und Leid liegen dicht beieinander. Denn da muss ein Mensch sterben, damit ein anderer leben kann. „Für die Hinterbliebenen ist das unendlich schmerzhaft und ein großer Verlust, wenn ihr Sohn oder ihre Tochter zum Beispiel an einer Hirnblutung stirbt. Andererseits ist es natürlich auch schön, wenn man einem anderen Menschen damit helfen kann“, meint der Mediziner.

Viele Menschen in Deutschland beschäftigen sich allerdings nicht damit, ob ihre Organe nach ihrem Tod gespendet werden sollen oder nicht. Der eigene Tod liegt unendlich fern, wird verdrängt, oft bis zuletzt. Wenn dann ein Unfall passiert und kein Spenderausweis vorliegt, wenden sich die Ärzte an die Angehörigen. „Die Familien sind da natürlich überfordert. Einerseits müssen sie mit der Tragik des Todes ihres Angehörigen fertig werden und dann noch eine solche Entscheidung tref fen“, schildert Pisarski das Dilemma. Oft verlaufen die Fronten quer durch die Familien. „Die Tochter sagt ja, der Vater sagt nein.“ Deshalb sei es besser, wenn sich die Menschen zu gesunden Zeiten Gedanken machen. Doch die meisten scheuen davor zurück. In Baden-Württemberg gibt es nur zwölf Organspender auf eine Million Einwohner, bundesweit sind es 16, in anderen Ländern wie Spanien sind es 35. Dort gibt es eine Widerspruchslösung – das heißt, wer nicht widersprochen hat, dem können nach seinem Hirntod auch Organe entnommen werden. Ob die Widerspruchslösung auch für Deutschland besser wäre, ist sich Pisarski nicht sicher. „Da sind sich auch die Ärzte nicht einig.“ Sicher sei nur, dass das Thema politisch extrem unpopulär sei. Die Politik schiebe das Thema „hin und her“, kritisiert der Arzt.


Immer mehr Lebendspenden

In den letzten Jahren hat die Zahl der Organtransplantationen deutlich zugenommen. 2005 gab es bundesweit 3910 Organverpflanzungen, 2010 waren es schon 4326. Besonders die Lebendspenden haben zugenommen – das heißt, ein Mensch spendet einem anderen eine Niere, so wie es der SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier für seine Frau getan hat. Ein Fünftel aller Verpflanzungen sind inzwischen Lebendspenden. „Seit 1993 hat sich deren Zahl versechsfacht“, sagt Pisarski. Seit 2004 sind in Freiburg auch Transplantationen zwischen Menschen möglich, die nicht die gleiche Blutgruppe haben.

Allerdings wären noch mehr Organverpflanzungen möglich, meint der Mediziner. Oft ist es in den Krankenhäusern eine Frage der Kapazitäten, ob man wirklich jeden Patienten identifiziert, der als Spender infrage kommt. Organspenden machen Mühe und kosten die Kliniken Geld. „Wenn ein Patient auf der Intensivstation im Sterben liegt, lassen viele ihn lieber sterben, statt die Angehörigen um Zustimmung zu bitten und sich dann um den Erhalt der Organe zu kümmern. Das wird dann gar nicht weitergemeldet“, sagt Pisarski. In einem neuen Projekt sollen jetzt die Todesursachen von Patienten auf der Intensivstation erforscht werden – um herauszufinden, ob noch mehr Menschen in ihren letzten Stunden anderen helfen könnten.

All das ist für Caroline Kiefer längst Vergangenheit. Sie kann wieder arbeiten, pflegt Kontakte zu Freunden und Kollegen. Dass es viele Menschen gibt, die dem Thema Organspende reserviert gegenüberstehen, kann sie nachvollziehen: „Darüber habe ich früher auch nicht nachgedacht“, sagt sie. In ihrem Bekanntenkreis kennt sie viele junge Leute, die sich bei der Feuerwehr oder dem technischen Hilfswerk engagieren. „Da haben die meisten einen Ausweis.“ Sie ist unendlich dankbar dafür, dass ihr ein unbekannter Mensch ein neues Leben geschenkt hat: „Früher habe ich, wenn ich morgens aus dem Haus ging, immer gedacht: Hast du dein Insulin gespritzt? Hast du Traubenzucker für den Notfall dabei? Hast du den Beutel mit der neuen Dialyseflüssigkeit dabei? All das muss ich heute nicht mehr.“ Jetzt kann sie morgens die Haustür hinter sich zuziehen und in den Tag starten – wie jeder andere auch.

 



 





















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